Florian
Kronbichler


Italien-Südtirol-Europa

 

 

Und was noch … wie heißt’s in Brechts „Mutter Courage“? – „und was noch nicht gestorben ist, das macht sich auf die Socken nun.“ Klingt mir nach einem guten Vorsatz für Neujahr. Was ist zu tun? Der Staatspräsident und der Landeshauptmann haben ihre „Reden zum Jahresende“ gehalten. So heißen sie, aber es sind eigentlich Aufrufe zum neuen Jahr. Sie sind an uns alle gerichtet, und von beiden will ich gern einiges beherzigen. Landeshauptmann Kompatscher mahnt einen „Autonomie-Patriotismus“ an.

 

Wollte ich kleinlich sein, würde ich behaupten: Kompatscher hat den Begriff von mir gestohlen. Ich habe vor drei Jahren, auf einer Autonomie- und Streitbeilegungs-Jubiläumsfeier (1972 une 1992) dem Altlandeshauptmann Durnwalder und dem Alt-SVP-Obmann Theiner vorgeworfen, dass sie keinen „Autonomie-Patriotismus“ beweisen und dass sie die Autonomie behandeln wie halt das kleinere Übel.

 

Ich bin Autonomie-Patriot, verteidige sie für so, wie sie ist. Die Schwadroneure der „dynamischen“, „vollen“ und was weiß Gott noch welcher Autonomie schimpfen mich dafür gern einen Verzichtspolitiker. Zufrieden zu sein, ist heutzutage eine Schuld. Ich sage, der beste Autonomieschutz ist, glaubwürdig zur Autonomie zu stehen, Verträge als solche zu behandeln, verbindlich und nicht einseitig veränderbar. Autonomie als etwas Zu-Überwindendes darzustellen, gibt jenen Recht, die Autonomie nie gewollt haben, und ist Autonomieverrat.

 

Deshalb: Landeshauptmann Kompatscher, wirb weiter für einen Autonomiepatriotismus! Der Begriff sei dein. Ich schenk ihn dir, bitte!

Ich bin außerdem „Verfassungspatriot“. Das habe ich bei der Anhörung im Sommer im Südtiroler Landtag gesagt. Wir Südtiroler vergessen oft, was wir an unserer (italienischen) Verfassung haben. Es gibt keine gute Südtirol-Autonomie innerhalb einer schlechten italienischen Verfassung. Ich werde deshalb über Renzis Verfassungsreform nicht nur schlecht reden, so wie die SVP-Parlamentarier es tun, sondern im Parlament auch dagegen stimmen.

 

Zur „Rede zum Jahresende“ des Staatspräsidenten Sergio Mattarella. Mir gefällt dieser Staatspräsident. Gebildet, prinzipienfest, diskret, mit einer Aura väterlicher Güte – so wie die Verfassung den Staatspräsident haben will. Was mich an seiner Rede überraschte, und zwar positiv: Er sprach über Umwelt. Über Smog und Spekulation mit Grund und Boden. Über die Affenliebe der Italiener zum Auto. Mich überraschte das, weil Umweltschutz in der politischen Diskussion Italiens systematisch zu kurz bis gar nicht vorkommt. Der Staatspräsident beweist Sinn fürs Wesentliche. Arbeitslosigkeit, Steuerhinterziehung, – er sprach auch darüber, klar, aber dass er das Auto, seiner Landsleute liebstes Spielzeug, auf die Anklagebank setzte, – Respekt!

 

Noch etwas: Ich bin auf der letzten Sitzung des Parlaments vor Weihnachten zum Mitglied des Europa-Rats ernannt worden. Ich werde die nächste Zeit somit mehr in Europa und in Europa-Angelegenheiten unterwegs sein. Ich werde mich bemühen, das sehr ernsthaft zu sein. Europa ist in Gefahr, und das auf mehrerlei Weise. Dass ich mich gerade jetzt dafür engagieren darf, betrachte ich wieder für so ein Glück, das mich unverdientermaßen trifft. Also denn: ein gutes neues Jahr, und auf die Socken nun!

Florian Kronbichler

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