Nicht Event-Event-Advent plärrn!
Bitte nicht über den eventisierten Advent jammern! Nicht Advent, Event, Event plärrn! Es ist vieles schön in dieser Vorweihnachtszeit. Sehen wir es!
Die Kirche ist in Krise. Stimmt. Aber sie ist es im Advent weniger als sonst das Jahr über. Weihnachten ist theologisch betrachtet nicht das höchste Fest der Christen. Aber es ist das geheimnisvollste. Viele von Ihnen, liebe Zuschauer, haben heuer wahrscheinlich den Film „Konklave“ gesehen. Darin hält der Hauptdarsteller als Kardinal Lawrence eine Predigt an die zur Papstwahl versammelten Kardinäle. Darin sagt er: „Ohne Geheimnis gibt es keinen Glauben. Gewissheit ist der schlimmste Feind des Glaubens. Denn Gewissheit lässt keinen Zweifel und kein Geheimnis zu.“
Weihnachten macht Platz für Geheimnis. Ich werfe der Kirche vor, dass sie sich in viel zu viele Aufgaben verzettelt. Natürlich, sie will unser Bestes. Aber sozial zu sein, dafür haben wir den Staat, das Land. Die Kirche verliert den Glauben aus dem Auge, vor lauter Aktivitäten. Klar, die reine Glaubensweitergabe berührt die Menschen nicht. Aber die Kirche hat das Potential für das, was Menschen heute brauchen: die Räume, Schriften, Bilder, Werke, die Musik. Die Kirchenmusik holt mit Abstand die meisten Menschen zu sich. Mehr als jede noch so tüchtige Event-Agentur. Immer noch.
Priester und die schwindende Minderheit der regelmäßigen Kirchgänger sollten nicht zu streng sein mit den sogenannten Anlass-Kirchenbesuchern. Sie nicht als bloße Stille-Nacht-Nostalgiker und eigentlich nur Chormusik-Kundschaft beargwöhnen. Sie sollen stolz sein darauf, welch großartiges Angebot zu liefern sie imstand sind. Es gibt nicht nur jene Mehrheit, die sagt, ja, an irgendeinen Gott glauben sie schon, aber mit dieser Kirche …
Es gibt auch die umgekehrte Einstellung. Der bekannte Schriftsteller Bernhard Schlink hat neulich einer Kirchenzeitung gesagt: „Ich habe schon früh eher an die Kirche geglaubt als an Gott. Ich gehe noch heute gern in die Kirche, mag die Lieder, die Liturgie, den Raum, die Zeit zum Träumen und Nachdenken. Aber wenn ich’s tue, sind die Predigten meist so unsäglich banal, dass ich wieder lange wegbleibe.“ Und Schlink fährt fort: „Ans Austreten aus der Kirche denke ich nicht. Sie ist eine Gemeinschaft von Menschen, die guten Willens sind, der ich mich verbunden fühle.“ Ist doch eine wunderbare, sehr aufrichtige Zugehörigkeitserklärung. Frohe, gesegnete Weihnachten!
(NACHGEDACHT zum 4. Avent-Sonntag auf Rai Südtirol)